Werner Hartmann
1903 – 1981
Maler und Zeichner
Werner Hartmann: Venedig

Reiches malerisches
Werk gegenständlicher Richtung. Mehrere Wandbilder in Kirchen der Zentralschweiz. Lebte meist in Paris und Südfrankreich, blieb aber dem heimatlichen Emmen verbunden. Mitglied der GSMBA Paris
.

Biografie

Geboren am 28. Mai 1903 in Emmen LU. Besucht das Lehrerseminar in Hitzkirch. Zieht 1923 nach Paris. 1924-28 Studien an den Kunstakademien de la Grande Chaumière, Lhote, Colarossi, Julian und Ranson. Wichtigste Lehrer sind André Lhote und Roger Bissière. 1925 erste Ausstellung in einer Pariser Galerie. Freundschaft mit Serge Brignoni, Max von Mühlenen, Varlin, Wilhelm Gimmi, Ernst Morgenthaler, Paul Basilius Barth, Alberto Giacometti, Louis Conne u.a. 1926 erste Reise nach Südfrankreich, Insel Porquerolles. 1931 Aufenthalt in Marokko; Eidgenössisches Kunststipendium. Regelmässige Teilnahme an verschiedenen wichtigen Salons in Paris. Die Einzelausstellung im Kunstmuseum Luzern 1934 und die Einladung für den Schweizer Pavillon an der Biennale von Venedig 1936 belegen die Wertschätzung, die er in der Heimat geniesst, die Teilnahme an der Ausstellung «Peintres Français d'aujourd'hui» 1935 in Brüssel und die Einzelausstellung in der Galerie de Paris Werner Hartmann1938 mit einem Bildkauf durch den französischen Staat zeigen seine Integration in der Ecole de Paris. Wichtig sind ihm auch die Freundschaften mit Musikern und Malern wie Francisco Borès und anderen figurativ tätigen Künstlern, etwa François Desnoyer, Raymond Legueult u. a. Am nächsten steht er wohl den «Peintres de la réalité poétique», die vor allem Stimmung und Empfinden betonen. 1939 organisiert er eine Wanderausstellung «Jüngere französische und schweizerische Maler in Paris» im Kunstmuseum Luzern, dann in Zürich, St. Gallen und Genf. 1940, kurz vor dem Einmarsch der Deutschen in Paris, kehrt Hartmann in die Schweiz zurück und richtet sich im Dachgeschoss des väterlichen Hauses in Emmen ein Atelier ein. 1940-45 unterrichtet er an der Kunstgewerbeschule Luzern und im Lehrerseminar Hitzkirch. 1946 Rückkehr nach Paris; er reist viel, ist monatelang im Süden Frankreichs, dazwischen wieder in Emmen und in seinem Atelier in Montparnasse. Heirat 1951 mit der Musikerin Geneviève Hoummel; Geburt des Sohnes Daniel 1953. In den fünfziger Jahren mehrere Auftragsarbeiten für kirchliche Kunst: Kath. Kirche Gerliswil/Emmenbrücke (1953), Marienhaus-Kapelle der St.-Anna-Schwestern in Luzern (1954) u. a. 1960 Reise nach Holland. 1962 Kunstpreis der Stadt Luzern. 1963 erwirbt er ein Haus in Südfrankreich, wo er sich mehr und mehr zurückzieht. 1981 Retrospektivausstellung im Seedamm Kulturzentrum; Hartmann stirbt am 13. November 1981 in der Klinik Barmelweid AG.

Würdigung

Werner HartmannSein Werk, das dem figurativen Ideal verpflichtet bleibt, umfasst Landschaften, Städtebilder, Stillleben, Interieurszenen und Porträts. Die verhaltenen, pastosen Farben der frühen Bilder hellen sich mit der Zeit – vor allem nach dem Erlebnis des Südens – auf, der Pinselstrich wird lockerer, freier, ohne dass jedoch der straffe und gekonnte Bildaufbau, an dem ihm viel liegt, aufgegeben wird. In den Landschaftsbildern mit grosszügig breitem Pinselstrich, in denen noch die Errungenschaften des späten Impressionismus und vor allem Cézannes nachwirken, werden mit ausgewogenen Farben und in ruhiger Gestaltung Natureindruck und Landschaftserlebnis verarbeitet. Faszinierend sind seine späten Bilder, in denen südliches Licht und malerischer Schwung sich vereinen und kräftige Kompositionen – manchmal auch im kleinen Werner HartmannFormat – von oft gewagten, nahezu expressiven Farbzusammenstellungen entstehen. In persönlicher Weise gelingt es ihm so, eigene Erlebnisse und eindrückliche Stimmungen zu vermitteln. Werner Hartmann gebührt ein besonderer Platz in der Geschichte der Schweizer Malerei. Als einem der wenigen Schweizer Maler ist es ihm gelungen, französische Malkultur durch Gespräche, Ausstellungen von seinen Werken und durch Ausstellungen von Malerfreunden in die Schweiz zu vermitteln.

Steffan Biffiger

Sion, Rue de Lausanne, (19)28, huile sur toile
53.5 x 64.5 cm. Signé et daté b. d.


Werke

Aargauer Kunsthaus Aarau.– Schweizerische Eidgenossenschaft, Bundesamt für Kultur, Bern.– Kunstsammlung der Gemeinde Emmen.– Emmen Dorf, Freskenzyklus an der neuen Gräberhalle im Friedhof, Leben und Passion Christi, 1937–38.– Französischer Staat.– Gerliswil (Emmen), Katholische Kirche, Die Geburt Christi, Die Weisen aus dem Morgenland, Die Taufe Christi, Die Hochzeit zu Kana, 1953.– Lausanne, Musée cantonal des beaux-arts.– Kunstmuseum Luzern.– Kanton Luzern.– Stadt Luzern.– Luzern, Marienhaus-Kapelle der Gemeinschaft der St.-Anna-Schwestern (Wandgemälde, Kreuzweg in Keramik, Glasfenster) 1954.– Stadt Paris.– Kunstsammlung der Gemeinde Steffisburg.– Kunsthaus Zürich.– Stadt Zürich.

Ausstellungen

1928
Einzelausstellung Kriegs- und Friedensmuseum Musegg, Luzern

1934
Einzelausstellung Kunstmuseum Luzern

1942
Kunsthalle Bern (Gruppenausstellung)

1949,1952
Kunstsalon Wolfsberg, Zürich

1950
Galerie Marcel Guiot, Paris

1953
Einzelausstellung Kunstmuseum Luzern (Katalog)

1957/60/63/66/69
Kunstsalon Wolfsberg, Zürich

1965
Einzelausstellung Kunstmuseum Luzern (Katalog)

1971
Les Suisses de Paris, Aargauer Kunsthaus Aarau (Gruppenausstellung; Katalog)

1979
Einzelausstellung Kornschütte Luzern

1981
Retrospektive «Werner Hartmann – ein Schweizer Maler in Paris» im Seedamm-Kulturzentrum Pfäffikon SZ

1984
Hommage amical à Werner Hartmann anlässlich der 25-Jahr-Feier des Bestehens der IHA AG, Hergiswil

Hommage à Werner Hartmann, Gedächtnisausstellung in der Gemeindegalerie Emmen

1986
Retrospektive zum 5. Todestag in der Landis & Gyr, Zug, und Herausgabe einer Erinnerungsschrift

1988
Werner Hartmann: Petits formats – Ölgemälde in der Galerie Grüningen in Grüningen

1991
Werner Hartmann, Retrospektive aus Anlass des 10. Todesjahres in der Kunstsammlung Steffisburg, Villa Schüpbach, Steffisburg

2000
Werner Hartmann, Gemälde und Zeichnungen, Galerie am Paradeplatz, Zürich

2003
Werner Hartmann. Emmen – Paris – Emmen, Galerie Gersag, Emmen (Katalog)

Literaturauswahl

  • Werner Hartmann. Emmen – Paris – Emmen. Zum hundertsten Geburtstag. [Redaktion:] Karl Bühlmann, [Texte:] Steffan Biffiger, Daniel Hartmann [et al.], Galerie Gersag, Emmen, 2003

  • Jean Bouret, Max Huggler: Der Maler Werner Hartmann. Harlekin-Verlag Luzern 1979

  • Werner Hartmann 1903–1981. Erinnerungsschrift aus Anlass des 5. Todestages und der Retrospektive organisiert durch die Stiftung Landis & Gyr in Zug, 1986, mit Beiträgen von Max Huggler, Conrad Beck, Georges Borgeaud, Hans Leopold Davi, Marcel Mihalovici und Roland Petermann

  • Les Suisses de Paris. Aargauer Kunsthaus Aarau, 1971. [Texte:] Heiny Widmer und Paul Nizon. Aarau, 1971

  • Werner Hartmann. Kunstmuseum Luzern, 1965. [Text:] P. F. A. [Peter F. Althaus]. Luzern, 1965

  • Werner Hartmann. Kunstmuseum Luzern, 1953. Vorwort: A. [Adolf] Reinle. Luzern, 1953

© der Abbildungen by Erben Werner Hartmann

© des Textes by Steffan Biffiger, Kunst&Buch Wohlen b. Bern:

http://www.kunstundbuch.ch

Weitere Informationen: info@wernerhartmann.ch

Kunst & Buch, Steffan Biffiger

Aktualisierung: 14.03.2011